Dada Movement Reflected in Jelmoli’s Closure and Legacy in Zurich

This essay “Fassade der Wünsche” (Facade of Desires), originally appeared in English in Maintenant 18: A Journal of Contemporary Dada Writing and Art. ORDER YOUR COPY DIRECT FROM THREE ROOMS PRESS.

Jelmoli closes in Zurich

Jelmoli, a grande department store on Zurich’s Banhofstrasse is closing its doors at the end of February, 2025. After 125 years of business, is this a loss for the city? Or simply a case of over-consumption and poor management at one of the world’s most expensive and exclusive shopping avenues?

Fassade der Wünsche

Eine fiktive Begleitreflexion zum Lebensweg von Emmy Hennings und Hugo Ball zu Beginn der DADA-Kunstbewegung 1916, beschrieben im Roman „Was schön war und gut“ (2023, Münster Verlag).

Der rote Seidenschal im Schaufenster rief nach mir, wie ein Kind, voller Erwartung, mich umhüllen zu dürfen. Wie grausam, sich nach so etwas Schönem zu sehnen, mit nur ein paar Münzen in der Tasche.

Wenn Herr Jelmoli uns Arbeit in seinem Wunderladen gegeben hätte, könnte ich mir vielleicht einen solchen Luxus leisten. Aber er hatte nur gelächelt, unsere Träume bewundert und jegliche Hilfe beim Kampf ums Dasein abgelehnt. Gekleidet in exotische Drucke und kostbare Stoffe stand er da und sagte, er habe in seinem Modegeschäft, wo die Preise deutlich sichtbar und nicht verhandelbar seien, keinen Platz für uns. 

Das war ein neues Konzept: Festpreise. Und sein neues Geschäft war ein Glaspalast im Jugendstil, ganz wie in Paris. Obwohl, ich bin in Paris gewesen und habe hinter die Fassaden geschaut. Er verkauft nur eine Illusion an diejenigen, die nicht in der Lage sind, die Tatsachen zu erkennen. 

Und dennoch, die schönen Dinge hinter dem Schaufenster zogen mich an. Aber auch im Zürich des Jahres 1916 schien alles besser zu sein, als es war. 

Der Herr über all diesen Luxus meinte, er könne Hugo und mir in einer wirtschaftlich so turbulenten Kriegszeit keinen Job geben und sandte seine Grüsse und besten Wünsche an unseren gemeinsamen Bekannten Wedekind, einen angesehenen Dramatiker, den seine Tochter vergötterte. Er lobte auch meine Singstimme und sagte, er würde sich freuen, uns auftreten zu sehen. 

Mit Kleidern und Mode hatten er und ich zumindest eine gemeinsame Leidenschaft, die uns verband. Hugo jedoch hatte Löcher in seinen Schuhen und für so viele Leidenschaft, die wir teilten, fehlten uns die Mittel.

Ich liess den roten Schal zurück und kam an einem anderen Schaufenster vorbei, einem mit hell beleuchteten Flacons, das „DADA, haarstärkendes Kopfwasser“ anpries. Das Produkt, das meist an Männer zur Vorbeugung von Glatzenbildung verkauft wird, warb hier auch mit einem Bild, auf dem eine junge Frau mit dichtem, wallendem Lockenkopf zu sehen war. Je länger ich ihr Haar betrachtete, umso schöner wurde es. Das Wässerchen versprach Gesundheit, Glück und Freude für „nur” drei Franken. Unsere Seife zu Hause kam mir in den Sinn, die ein Sechzehntel des Preises kostete und wie Lysol roch. 

All die Kostbarkeiten, die für mich unerreichbar waren, liessen mich in eine tiefe Depression sinken, bis ich die Stadt verließ. Erst als ich auf dem Land war, verloren die materiellen Dinge, die unter künstlichen Scheinwerfern strahlten, ihren Glanz. In der Natur leuchten die Dinge, die das Sonnenlicht berührt, heller. 

Auch wenn ein Anflug von Sehnsucht nach dem Luxusleben, das Herr Jelmoli verkaufte, zurückgeblieben sein mag, die Stille eines glitzernden Sees und die Harmonie von Bäumen, die sich in einer warmen Brise wiegen, erinnerten mich daran, dass die Unabhängigkeit von solchen kapitalistischen Zwängen wahrer Reichtum ist. 

Wie dem auch sei, die Stadt sollte sich verändern, und das grösste und älteste Premium-Warenhaus der Schweiz schliesst nach 125 Jahren seine Pforten für immer.

DADA aber bleibt bestehen.

What was Beautiful and Good. A historical fiction novel about the Dada art movement.

Watch: Jelmoli – Biografie eines Warenhauses


Director Sabine Gisiger has produced a documentary film, “Jelmoli – Biografie eines Warenhauses.” The film (in German) shares personal stories along with a rich collection of archive materials to tell the story of the “Glass Palace.” Throughout the film, major themes of the 20th century are highlighted, including: urbanization, colonialism, women’s emancipation, anti-Semitism, youth revolts, globalization and digitization.

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